Das Motorrad und ich

Heiteres und Besinnliches aus meinem Leben

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Archiv: April 2008


Eine gut gemeinte

Warnung

 

Wer auch immer meint, er wäre schon einmal krank gewesen und hätte sehr gelitten, dem kann ich sagen dass dies bestimmt nicht schlimm war - es sei denn, er wäre vom Motorradbazillus infiziert gewesen.

 

   Münch Mammut TTS                        Eine verrestauriere NSU Max

 

Diesen Motorradbazillus kann man sich nur einfangen, wenn man entweder männlich oder weiblich, jung oder alt, Mensch oder Tier ist (Ja, Du hast richtig gelesen. Es gibt auch TIERE, die den Motorradbazillus eingefangen haben).

 

Wie man diese Krankheit genau nennt (also wissenschaftlich und so) konnte bisher noch kein Mediziner sagen - obwohl es auch eine Menge Leute aus dem medizinischen Dienst in aller Welt gibt, die mit diesem Bazillus infiziert sind.

 

Dieser Motorradbazillus (wir wollen ihn im Folgenden einfach MoBa nennen, das schreibt sich schneller und leichter und man kann wieder viel eher zurück zu seinem über alles geliebten Hobel), dieser MoBa also ist extrem gefährlich. Infizierte Leute (oder Tiere) verändern sich meist total (und meistens auch sehr zum Ärger Ihres näheren Umfeldes), weswegen es ratsam ist, wenn ein unheilbar infizierter einen Lebens(abschnitts)gefährten hat, dass er sich mit diesem sehr intensiv beschäftigt - in der knappen Zeit, in der er sich nicht um seinen Hobel kümmern muss - damit der Leb(abschn)Gef möglichst bald auch infiziert ist und zumindest dann in dieser Kleingruppe eine gewisse Einigkeit erzielt werden kann.

 

Es sollte nicht verschwiegen werden (wenn dies auch meist mit aller Gewalt selbst aus dem Unterbewusstsein verdrängt wird), das dieser Bazillus leider auch zum Tode führen kann - oder zu anderen schweren, bleibenden Schäden. Wie überall ist es einfach eine Sache des Umgangs mit dieser vom MoBa verursachten Krankheit. Manche Befallene werden irgendwann als geheilt betrachtet werden können, aber VORSICHT !!! Selbst die Leute, die vom MoBa befallen waren und von ihm geheilt wurden, sind nicht gegen eine erneute Ansteckung gefeit . . .

 

. . . obwohl man der Motorradindustrie zugute halten muss, dass sie alles nur menschenmögliche dafür tut, dass ein einmal Geheilter nicht mehr rückfällig wird. Dies machen die in der Regel so, dass sie immer scheußlicher anzusehende Möchtegernrennerle mit noch etwas mehr Plastik drum herum und noch etwas mehr Siliconvalley Inhalt und noch ein paar Cavallis mehr (wenn es auch meist nur die kleinen, japanischen Bonsaipferde sind) baut.

 

Für was braucht ein Mensch denn (heute) knapp 200 PS wenn er nur zwei Räder unter seinem Arsch (sorry für den Ausdruck) hat. Das ‘HEUTE’ bezieht sich auf die Angabe von knapp 200 PS. Vielleicht hätte ich, wenn ich das Ganze morgen oder übermorgen schreiben würde knapp 300 PS schreiben müssen . . .

 

Ich bin kein Feind der Technik oder der Elektronik, doch wenn, wie damals am IFMA-Wochenende irgendwann zwischen 1980 und 1990, ein Motorrad mit halbvollem Tank im strömenden Regen auf dem Kölner Ring stehen bleibt, ohne Grund, mit funktionierender Technik und ebensolcher Elektronik und der arme Biker und seine Sozia ganz verzweifelt winken, dann muss man halt mit seinem italienischen Traktor mit Gleichstromlichtmaschine und einem Schwungrad wie ein Lanz - Bulldog eben anhalten und den Leuten weiterhelfen. Der tapfere Biker hatte die Batterie seiner K100 schon fast leer genöhlt, als ich anhielt.

 

“Lass mich mal in den Tank schauen”, bat ich den tapferen Pantoffelhelden.

 

“Das ist nicht nötig, wir sind erst 143 km weit gefahren und mein Bordcomputer zeigt an, dass ich mit dem restlichen Benzin noch 257 km fahren kann!”

 

“Lass uns trotzdem mal reinsehen”, bat ich erneut.

 

Seufzend hob er den Magnet-Tankrucksack vom Tank herunter. Ich biss mir auf die Lippen um nicht zu lachen . . .

 

Naja, bei so einem teueren Nobelhobel ist es sicher sinnvoll, ein total nasses Fensterleder zwischen Tank und -Rucksack zu legen - das schützt den Lack vor Kratzern und schlussendlich den Tank davor leer zu werden. Als der Bubi den Tankverschluss öffnen wollte, musste er sich ganz schön anstrengen. Als er es dann endlich schaffte, war kurzzeitig ein recht lautes, zischendes Geräusch zu hören - so laut, dass man es trotz des Lärms der vorbeirasenden Autos hören konnte.

 

“Mönsch, da war aber ein Druck drin”, sinnierte der Blödmann vor sich hin.

 

“Okay, war zwar eher ein ‘Minusdruck’, aber egal. Machen Sie den Tank wieder zu. Ich weiß jetzt, wie ich Ihnen helfen kann”, sagte ich mit todernster Miene.

 

Der Knabe tat wie ihm geheißen, legte das klitschnasse Leder wieder auf den Tank und dann den Tankrucksack wieder darauf. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass während dieser ganzen Aktion die Zündung dieses Supermotorrades eingeschaltet war (!). Schon als der Tankdeckel geöffnet wurde, hatte ich ein leises Ticken gehört, dass mittlerweile wieder verstummt war.

 

“So”, entschied ich, “Ich lege jetzt meine Hand hier auf die Zylinderbank und sie drücken mal kurz auf den Anlassknopf.”

 

Ich tat es, er tat es.

 

Nöhl, nöhl, PLATSCH brrrrrrrrrmmmmmmmmmmmmmmmmm.

 

Ich richtete mich auf.

 

“Wie haben Sie denn das geschafft, und was war das für ein Knall?” fragte mich die Sozia mit wachen Augen und leuchtendem Blick.

 

“Nun ja, Handauflegen hilft bei Blähungen im Allgemeinen. Denken Sie mal daran wenn sie einst ein Baby haben sollten.”

 

Ich drehte mich um und ging zu meiner Signorita mit den beiden hochgebogenen, je halbliter großen Töpfen, schwang mich drauf und fuhr davon. Die K mit den Blähungen hatte BM auf dem Kennzeichen, also hatten die drei keine hundert Kilometer mehr zu fahren und das traute ich der K100 auch mit total verdeckter Tankbelüftung schon noch zu.

 

Zu dieser Zeit verdiente ich noch meine Brötchen bei Vater Staat als einer von denen, die ständig ein Etikett an ihrem linken Jackenärmel tragen mussten und dabei von einem grünen Binder gewürgt wurden. Aus diesem Grund konnte ich den weiteren Leidensweg der drei Geheilten weiter verfolgen. Ich hatte mir nämlich das Kennzeichen gemerkt und es im Amtshilfeverfahren (wehe, hier petzt jemand) bei der Kreisverwaltung Bergheim überprüfen lassen. Die K wurde innerhalb von drei Wochen umgemeldet (also sicher verkauft) und der fensterlederbenutzende Warmduscher hatte auch 10 Jahre später kein anderes Motorrad auf sich zugelassen. . .

 

Er war also einer der wenigen von denen man sagen konnte, er sei als geheilt entlassen worden.

 

Leider ergab sich keine Möglichkeit die Spur seiner damaligen Sozia weiter zu verfolgen, deren Blick mich heute manchmal noch im Traum verfolgt.

 

Schade eigentlich.

 

Ähem, Schande über mich.

 

Eigentlich wollte ich hier doch nur so zwei oder drei Zeilen darüber schreiben, warum ich diese Seite (und natürlich auch mein Buch) geschrieben habe.

 

Na toll, wenn das so weiter geht, dann sollte man tatsächlich bald mal anfangen, etwas über diese Buch zu schreiben, damit es vielleicht dem Einen oder Anderen den Weg weg vom MoBa zeigen kann, oder denjenigen, die sich trotzdem nicht heilen lassen WOLLEN, wenigstens hilfreich zur Seite stehen kann, damit der MoBa nicht zum Tode führt. Nun denn:

 

Wer möchte kann sich ja mal durch die Leseproben arbeiten . . .

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