Das Motorrad und ich

Heiteres und Besinnliches aus meinem Leben

  

Leseprobe #2


Was, Ihr habt noch nicht genug?

 

. . . 

Ich kam zur Schule und hatte mittlerweile auch das Radfahren gelernt. Irgendwann, ich glaube es war als ich in die zweiten Klasse ging, sahen wir in der Pause vom Schulhof aus einen Polizisten mit einem Motorrad daher fahren. Er stellte die Maschine vor dem Schulhoftor ab und betrat das Schulhaus. 

Was genau er da wollte, weis ich heute natürlich nicht mehr - ich glaube das wusste ich auch damals nicht - vielmehr interessierte uns die leise vor sich hin knackende Zweizylinder-BMW. Mit den anderen Jungs zusammen besichtigte ich dieses sehr neu und sehr glänzende ”Prachtstück” in dunkelgrün. Es war (wie ich Jahre später anhand von Prospekten heraus fand) eine R 50 S, ohne Funk (gab es das damals überhaupt schon?) und ohne Verkleidung - aber für uns war es ein rechter Donnerbolzen. 

Viel zu früh klingelte es wieder  und wir mussten zum Unterricht. Nach fünfundvierzig unendlich langen Minuten  durften wir wieder in die Pause. Wir sahen gerade noch, wie der Polizist seine BMW antrat, sich auf den Schwingsattel schwang und mit einer für mich geradezu atemberaubenden Schräglage losdonnerte. 

Dies war nun sicher das Schlüssigste meiner Schlüsselerlebnisse für meine spätere Motorradmanie. 

Dazwischen kam allerdings noch eine kleine “früher oder später Lektion” für mich - und zwar noch am gleichen Nachmittag: 

Ich war mit dem Fahrrad unterwegs, als mir das Motorrad von heute morgen noch einmal gewaltig durch meine Erinnerung donnerte. Von der Sekunde an war es eine beschlossene Sache, dass ich auch so fahren können wollte wie der Polizist heute morgen. Der MoBa hatte mich infiziert.

Es geschah etwa dreißig Meter vor der letzen Kreuzung, an der ich abbiegen musste um nach Hause zu gelangen. Die Ecke kam immer näher, ich sah nach links und rechts - wie ich das mittlerweile gelernt hatte - es war frei. 

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand meine neue Hauptfreundin, Marianne. 

Also, wie hatte der das heute morgen gemacht? - In die Kurve legen, bis du meinst, du fällst um, dann voll beschleunigen! 

Gleich würde ich den Unterschied beim Beschleunigen zwischen einer BMW und meinem Fahrrad kennen lernen . . . 

Zur Zeit ahnte ich aber noch nichts davon, sondern behielt nur Marianne im Augenwinkel und trat so fest ich konnte in die Pedale. Die BMW wird - das weis ich heute - durch eine leicht drehende Bewegung der rechten Hand beschleunigt. An der Maschine - zumindest damals an der R 50 S - verändert sich äußerlich sichtbar fast nichts. Mein Fahrrad hatte aber die unangenehme Eigenschaft fast aller Fahrräder, dass sich die Pedale an Kurbeln im Kreis drehten und deshalb einmal weiter weg von der Erde waren (gut), aber leider auch einmal recht nahe an den Boden kamen (schlecht). Es kam, wie es kommen musste. Das kurveninnere Pedal setzte auf, Vorder- und Hinterrad meines Fahrrades hoben ab und ich landete sehr unsanft vor den Füßen meiner Angebeteten. 

Beim Aufstehen sagte ich zu der ziemlich verdutzt dreinschauenden Marianne:

“Ich steige immer so von meiner Maschine!”

In mir kräftigte sich der Entschluss Motorradrennfahrer zu werden, nur um es den Weibern zu beweisen.

. . .

Meine Eltern hatten eine DKW - Hummel.

Ein ziemlich luxushaftes Moped mit Gummibandfederung vorne, Schwingsattel und federbeingestützter Hinterradschwinge. Mit diesem Moped liebäugelte ich schon sehr früh und mit zwölf Jahren fuhr ich damit im Hof herum.

Das war ein sagenhaftes Gefühl - - - die Füße auf den Pedalen (wie beim Fahrrad), aber wenn man beschleunigen wollte musste man eben nicht in diesselben treten und damit die mögliche Schräglage begrenzen, sondern man konnte, wie bei der BMW, einfach mit einer leichten Drehung der rechten Hand die Kiste dazu bewegen, schneller oder langsamer zu werden.

Selbstverständlich wurden diese Runden immer nur dann im Hof absolviert, während außer mir  niemand zu Hause war. Das war schon eine feine Sache.

. . .


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